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Loslassen, ein grosses Thema!

Roter Feuerballon

Wer von Ihnen könnte hier nicht von Menschen berichten, die mit dem Betrieb so stark verbunden waren, dass das Thema Pensionierung einem Affront gleichkam, und Sie entgegen aller Vorsätze, die Person über das Pensionsalter hinaus in Ihrem Betrieb weiterarbeiten liessen? Ein heisses Eisen, das nicht selten zu betriebsinternen Konflikten führt.

Ein Grund für mich, hier etwas auszuholen.

Loslassen

Alle tun wir es, alle müssen wir es, von Geburt an, unser Leben lang, solange bis es darum geht, das Leben selbst und unseren Körper loszulassen. Loslassen ist für uns Menschen so grundlegend wie Atmen. Die beim Einatmen eingeströmte Luft lassen wir Mal für Mal wieder los. Mit grosser Erleichterung lassen wir unsere Exkremente los und leiden, wenn das nicht reibungslos geht. Jeden Abend lassen wir unser Bewusstsein los, damit wir einschlafen und uns erholen können. Wir sind wahre Meister im Loslassen!

Jedoch wissen wir auch, wie schmerzhaft und schwierig Loslassen sein kann; zum Beispiel nach einer Trennung, bei Krankheit, Behinderung und Tod von nahen Personen, Kindern, aber auch bei tiefsitzenden Überzeugungen, Ängsten, Schuldgefühlen, Verletzungen und Verhaltensweisen, die uns nicht guttun.

Bindung, Resilienz, Beruf

Aus der Kleinkindforschung ist bekannt, dass Loslassen etwas mit Bindung zu tun hat. Sicher gebundene Kinder zeigten in Untersuchungssituationen weniger Schwierigkeiten, die Mutter in einer fremden Situation loszulassen als ambivalent und unsicher gebundene Kinder. Art und Qualität des Bindungsverhaltens entspringen, stark vereinfacht, einer Wechselwirkung zwischen Kind (Wesen/Vererbung) und Bezugspersonen (Umwelt/Erfahrung).

Bis wir erwachsen sind, haben wir in der Regel schon unzählig viel Schmerzhaftes durchgestanden. Das scheint vorderhand noch zu den unausweichlichen Tatsachen des menschlichen Lebens zu gehören und dient im weitesten Sinne unserem inneren und äusseren Wachstum. Verletzende Erfahrungen prägen uns tief, und unsere Bindungsfähigkeit, ich könnte auch sagen, unser Gefühl in Sicherheit zu sein, leidet und nimmt Schaden.

Wie sehr sich Wunden auf unser Berufsleben auswirken, hat wiederum viel mit Resilienz zu tun. Resilienz ist gleichbedeutend mit psychischer Widerstandskraft. Sie basiert auf ausgleichenden Schutzfaktoren, wie Optimismus, verschiedene Formen von Intelligenz, ein offenes, neugieriges und interessiertes Wesen, das leicht in Kontakt und in Beziehung treten kann.

Im Beruf erkennen wir Menschen mit einer hohen Resilienz z.B. daran, dass sie in Krisenzeiten zuversichtlich bleiben, der Gefahr ins Auge blicken können und auch in schwierigen Situationen einen Sinn erkennen. Sie sind in der Lage, mit Stress umzugehen, eine allfällige Opferrolle rasch zu verlassen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Sie pflegen ein soziales Umfeld, das zusätzlich hilft, Wege aus der Krise zu finden. Sie lernen aus Erfahrungen und können sich auf das Wechselspiel des Lebens einigermassen gut einlassen.

Menschen, die sich sicher fühlen und über viel Resilienz verfügen, sind nicht die Menschen, die Ihnen als Führungsperson Sorgen bereiten. Es sind die Personen, die schlecht loslassen können.

Jede Schwierigkeit, der wir begegnen ruft in uns Menschen als Erstes ein inneres NEIN hervor. Menschen mit wenig Ressourcen neigen dazu, im Widerstand, in diesem Nein stecken zu bleiben. Es kommt zur Verhärtung. Da Sie als Führungsperson kein Unmensch sind, schwappt die Angst der betroffenen Person auf Sie über. Ihre Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt.

Empfehlung

Knüpfen auch Sie dort an, wo es Ihnen ganz vertraut ist: beim Atmen. Stellen Sie sich die verzwickte Situation, den betroffenen Menschen vor und ATMEN SIE! Atmen Sie heftig und legen Sie dabei den Fokus aufs AUSATMEN. Das Ausatmen hilft uns zu entspannen und loszulassen. Denn auch Sie müssen loslassen (was genau, darauf komme ich später zu sprechen), damit es zu einer Lösung kommt. Probieren Sie es aus, und beobachten Sie, was sich bei Ihnen verändert, denn Sie sind die Person, die sich verändern kann. Ihre Angestellte, Ihr Angestellter kann es nicht.

Wenn Sie dann noch einen Schritt weitergehen wollen, dann sagen Sie zusätzlich immer wieder JA SO IST ES. Sagen Sie Ja zur Situation, wie sie JETZT ist, ohne Bewertung und ohne die Frage nach dem Wieweiter!

Beide Empfehlungen klingen absolut simpel und mögen Sie vielleicht noch nicht so recht überzeugen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, 1-3 Minuten reichen aus, probieren Sie es immer wieder. Sie werden merken, dass die Umsetzung gar nicht so einfach ist. Bleiben Sie dran, ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Ausblick

Im nächsten Beitrag erfahren Sie von mir etwas über Mechanismen, weshalb jemand eine allzu starke Bindung an den Betrieb entwickelt. Und natürlich, was Sie ausser Atmen und Jasagen noch tun können.

Herzliche Grüsse

Manuela Bleichenbacher

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